Die Geopolitik hinter dem Krieg im Jemen – Teil II

« Der Jemen, das ärmste Land der arabischen Welt, wird gerade zum Schlachtfeld und zum nächsten gescheiterten Staat im Nahen Osten gemacht. Wenn es zu einem Bodenkrieg kommt, was wegen des Kräftemessens zwischen Saudi-Arabien und dem Iran sehr wahrscheinlich ist, wird alles nur noch schlimmer. Beide Mächte unterstützen Gruppierungen, von denen sie glauben, sie für ihre Zwecke einspannen zu können, und wohin diese destruktive Konkurrenz führt, lässt sich gerade in Syrien und im Irak beobachten, » war am 6. März in dem US-Magazin Foreign Policy

Die Allianz der Huthis mit dem Iran: Pragmatismus oder religiös begründeter Hilferuf?

Die Huthis kämpfen keineswegs für iranische Interessen. Die Huthi-Bewegung ist politisch unabhängig und entstanden, weil die jemenitische Bevölkerung unterdrückt wurde. Wer meint, die Huthis führten einen Stellvertreterkrieg für den Iran, ignoriert die jemenitische Geschichte und die bisher dort betriebene Politik. « Wenn jetzt im Krieg konfessionelle Trennungslinien aufbrechen, geschieht das nicht, weil es die im Jemen schon immer gegeben hat, sondern weil ausländische Kriegstreiber sie geschaffen haben, » gibt sogar Foreign Policy zu.

Die Huthi-Führer haben schon wiederholt Behauptungen zurückgewiesen, dass sie Anweisungen aus Teheran ausführen. Das hat Offizielle und Medien in Saudi-Arabien und in den Emiraten aber nicht daran gehindert, iranische Statements immer wieder zu manipulieren oder die Huthis mit den Basidsch-e Mostaz’afin (eine iranischen Miliz,) zu vergleichen und sie als « Agenten Teherans » darzustellen.

Die Huthis sind weder iranische Agenten, noch gibt es überhaupt Verbindungen zwischen den Schiiten im Iran und im Jemen. Wer mit solchen Unterstellungen arbeitet, will nur die Motivation der unterdrückten Huthis und die Ursachen des politischen Konfliktes im Jemen verschleiern. Bis in die 1970er Jahre war das saudische Königshaus die Hauptstütze der royalistischen Splittergruppen im Jemen, die überwiegend aus schiitischen Muslimen bestanden.

Außerdem sind die schiitischen Muslime im Jemen keine Imamiten – wie die Mehrheit der Schiiten im Iran, in der Republik Aserbaidschan, im Libanon, im Irak, in Afghanistan, in Pakistan und in einigen Gebieten am Persischen Golf. Außer einigen Gruppen von Ismailiten in den Bezirken Saada, Hajja, Amran, Al-Mahwit, Sanaa, Ibb und Al-Jawf sind die meisten jemenitischen Muslime Zaiditen. Die Ismailiten im Jemen gehören größtenteils zu zwei Sekten der Mustali- Ismailiten, die sich von den Nizari-Ismailiten abgespalten haben.

Nur weil sie von den USA und vom saudischen Königshaus angegriffen wurden, haben die Huthis den Iran um Hilfe gebeten. Das Wall Street Journal hat dazu am 6. März berichtet: « Die militanten Huthis, die Sanaa, die Hauptstadt des Jemen, kontrollieren, versuchen Verbindungen zum Iran, zu Russland und zu China zu knüpfen, um die Unterstützung des Westens und der Saudis für den abgesetzten jemenitischen Präsidenten auszugleichen. Die von den Huthis eingesetzte Übergangsregierung hat nach Aussage höherer Offizieller Delegationen entsandt, die mit dem Iran über die Lieferung von Treibstoffen und mit Russland über Investitionen in Energieprojekte verhandeln sollen. Eine weitere Delegation soll in den kommenden Wochen China besuchen. »

Die Bemühungen der Huthis haben dazu geführt, dass seit 2. März täglich Hilfsflüge zwischen Teheran und Sanaa stattfinden.

Geht es im Jemen um konfessionelle Differenzen, oder dienen die nur als Vorwand?

Die Instabilität im Jemen haben nicht der Iran oder die Huthis zu verantworten; sie wurde durch die Einmischung der USA und der Saudis verursacht; die begann mit der saudischen Invasion im Jahr 2009 und hat sich mit den US-Drohnen Angriffen und der Unterstützung Saudi-Arabiens für das autoritäre Regime Hadis bis heute fortgesetzt.

Der Jemen war nicht in sich bekämpfende islamische Konfessionen aufgespalten. Vor dem Auftauchen der von den USA und den Saudis finanzierten Unruhestifter der Al-Qaida gab es keinerlei Konflikte zwischen schiitischen und sunnitischen Jemeniten. Um das Streben der jemenitischen Bevölkerung nach Unabhängigkeit zu stören, haben die Saudis und die USA Schiiten und Sunniten gegeneinander aufgehetzt.

Berichte, in denen behauptet wird, der Iran unterstütze nur Schiiten, treffen nicht zu. Die palästinensischen Verbündeten Teherans sind überwiegend Sunniten, und im Irak und in Syrien hilft der Iran neben den Regierungen beider Länder ganz unterschiedlichen ethnischen und religiösen Gruppierungen – auch Christen und Menschen, die keine Araber sind. Dazu gehören auch die überwiegend sunnitischen syrischen und irakischen Kurden und der Sutoro-Flügel der Syriac Union Party / SUP. Im Libanon unterstützt der Iran außer der Hisbollah auch noch sunnitische Muslime, die Drusen und christliche Parteien wie die Freie Patriotische Bewegung von Michel Aoun – die größte christliche Partei im Libanon.

Wenn jemand den Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten schürt, dann sind es die USA und die mit ihnen verbündeten arabischen Ölscheichtümer. Früher haben die USA und Saudi-Arabien die Huthis zur Bekämpfung der Muslimbruderschaft im Jemen angestiftet. Während des Kalten Kriegs haben Washington und das saudische Königshaus die jemenitischen Schiiten gegen die Republikaner im Nordjemen und gegen die Volksdemokratische Republik im Südjemen aufgehetzt. Erst als sich die Huthis nicht mehr von Washington und Riad einspannen ließen, wurden sie zu Feinden erklärt.

Die Invasion des Jemen wird vorbereitet

Am 20. März sprengten sich Selbstmordattentäter während des Nachmittagsgebetes in den Moscheen Al-Badr und Al-Hashoosh in die Luft. Mehr als dreihundert Menschen wurden getötet. Abdul Malik al-Houthi beschuldigte die USA, Israel und Saudi-Arabien für alle von ISIL, ISIS, Daesh oder Al-Qaida begangenen Terroranschläge im Jemen verantwortlich zu sein.

Marokko, Jordanien und die arabischen Ölscheichtümer schwiegen zu den Anschlägen, nur Marziyeh Afkham, die Sprecherin des iranischen Außenministeriums, verurteilte den Terror im Jemen. Auch Syrien, der Irak, Russland und China haben sich gegen Terrorangriffe in jeder Form ausgesprochen. Teheran schickte zwei Transportflugzeuge mit humanitären Hilfsgütern in den Jemen, und der Rote Halbmond des Irans flog mehr als fünfzig bei den Terroranschlägen Verletzte zur ärztlichen Behandlung in iranische Krankenhäuser.

Die Einmischung des saudischen Königshauses im Jemen ist misslungen

Die jetzige Huthi-Bewegung ist nur entstanden, weil Saudi-Arabien das autoritäre Regime im Jemen immer unterstützt hat. Die Huthis haben also nur auf die Brutalität der Saudis und des jemenitischen Regimes reagiert. Ihre Bewegung ging aus einem Aufstand hervor, den Hussein Badreddin Al-Houthi 2004 gegen die jemenitische Regierung entfacht hatte.

Die Regime im Jemen und in Saudi-Arabien haben den Huthis fälschlicherweise unterstellt, in Arabien ein Ziaditisches Kalifat errichten zu wollen, um ihre Bewegung zu diskreditieren. Damit konnte jedoch nicht verhindert werden, dass sie noch stärker wurden. Das jemenitische Militär konnte sie schon 2009 nicht bezwingen; daraufhin kamen ihm die Saudis am 11. August 2009 mit der Operation Scorched Earth (Verbrannte Erde) zur Hilfe.

Aber auch das in den Jemen gerufene saudische Militär konnte die Huthis in den Jahren 2009 und 2010 nicht zum Aufgeben zwingen. Als es die Huthis und ihre Übergangsregierung aufforderte, sich Saudi-Arabien unterzuordnen und mit Riad zu verhandeln, wiesen beide dieses Ansinnen zurück, weil sie befürchteten, dadurch an den Rand gedrängt und über den Tisch gezogen zu werden. Dabei wurden sie sogar von Hadis eigener Partei, dem Allgemeinen Volkskongress, und der jemenitischen Baath-Partei unterstützt.

Soll der Jemen geteilt werden?

Bei Aufständen im Jemen haben die USA und Saudi-Arabien immer militärisch interveniert; dabei ist es ihnen sogar gelungen, im Südjemen eine separatistische Strömung in Gang zu setzen. Das jemenitische Militär ist auseinander gebrochen, und zwischen einzelnen Stämmen ist es zu Spannungen gekommen. Es ist sogar schon von einem gescheiterten arabischen Staat die Rede.

2013 hat die New York Times vorgeschlagen, Libyen, Syrien, den Irak und den Jemen in Teilstaaten aufzuspalten. Der Jemen sollte nach einem Referendum im Südjemen wieder zweigeteilt werden. Die New York Times empfahl auch, « einen Teil oder den ganzen Südjemen in Saudi-Arabien einzugliedern ». Da fast der ganze saudische Handel übers Meer abgewickelt wird, würden die Saudis durch eine Annexion des Südjemen einen direkten Zugang zum Arabischen Meer erhalten und wären dann weniger abhängig vom Persischen Golf, den der Iran durch eine Blockade der Straße von Hormuz sperren könnte.

Saudi-Arabien und (der abgesetzte jemenitische Präsident) Hadi setzen jetzt auf die Separatisten im Südjemen, die aber nur von einem Zehntel der Bevölkerung unterstützt werden. Mit einer Abspaltung des Südjemen hoffen sie einen totalen Sieg der Huthis verhindern zu können. Dadurch würde sichergestellt, dass Saudi-Arabien und der GCC einen eigenen Zugang (zum Arabischen Meer und) zum Indischen Ozean haben und die USA weiterhin den Golf von Aden kontrollieren können.

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Von Mahdi Darius NazemroayaStrategic Culture FoundationI und II 30./31.03.2015Übersetzung: Luftpost, 14.04.2015.

Der in Kanada lebende Soziologe Mahdi Darius Nazemroaya, ein Experte für den Nahen und Mittleren Osten, untersucht die Gründe für den Krieg im Jemen.



Articles Par : Mahdi Darius Nazemroaya

A propos :

An award-winning author and geopolitical analyst, Mahdi Darius Nazemroaya is the author of The Globalization of NATO (Clarity Press) and a forthcoming book The War on Libya and the Re-Colonization of Africa. He has also contributed to several other books ranging from cultural critique to international relations. He is a Sociologist and Research Associate at the Centre for Research on Globalization (CRG), a contributor at the Strategic Culture Foundation (SCF), Moscow, and a member of the Scientific Committee of Geopolitica, Italy.

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