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Die Terroranschläge vom 11. September 2001
Par Dr. Daniele Ganser
Mondialisation.ca, 15 octobre 2012

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Das Folgende ist ein Auszug aus Kapitel 17 “Wieder Krieg um Erdöl” von Dr. Daniele Ganser aus seinem neuen Buch “Europa im Erdölrausch – Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit”, publiziert beim Orell Füssli Verlag.

Noch im Dezember 1998 wurde das Fass Erdöl billig für nur 10 Dollar verkauft, Ressourcenknappheit war kein Thema. Doch im September 2000 stieg der Preis auf 33 Dollar pro Fass, »so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr«, wie die Zeitungen klagten.1 Neben dem Autofahren verteuerten sich auch das Wohnen, der Gütertransport und das Reisen. Der Schweizer Bundesrat Pascal Couchepin, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes, erklärte richtig, dass erst bei Erdölpreisen über 30 Dollar das Energiebewusstsein zunehme, daher seien hohe Preise nicht nur schlecht. »Seit Jahren plädieren alle für eine ökologisch begründete Erhöhung der Energiepreise, damit Ressourcen gespart werden und die Umwelt geschont wird«, so Couchepin. »Und jetzt, bei dieser Preiserhöhung, sind plötzlich alle empört.«2 Dies sei scheinheilig. Auch die Schweiz sei angehalten ihren Energiekonsum zu überdenken und in Zukunft sorgsamer mit den Ressourcen umzugehen.

Auch in den USA sorgte man sich um die verfügbaren Ressourcen. Vizepräsident Dick Cheney kümmerte sich sehr systematisch um die Erdölfrage. Nur zehn Tage nach dem Einzug ins Weisse Haus gründete er im Januar 2001 eine Expertengruppe zu Erdöl- und Energiefragen, die National Energy Policy Development Group (NEPDG), welche bis im Mai 2001 hinter verschlossenen Türen die Energiezukunft der USA plante. Neben den Experten und Lobbyisten der grössten Erdölkonzerne nahmen auch Aussenminister Colin Powell, Energieminister Spencer Abraham und Finanzminister Paul O’Neill an den NEPDG-Sitzungen teil. Als die NEPDG ihre Studien abgeschlossen hatte informierte sie den Präsidenten. Dieser war wenig erfreut und trat mit düsteren Prognosen vor die Presse: »Was die Leute laut und deutlich hören müssen, ist, dass uns hier in Amerika die Energie ausgeht«, so Präsident Bush im Mai 2001. »Wir müssen zusätzliche Energiequellen finden.«3

Welche Erdölfirmen an den NEPDG-Sitzungen teilgenommen hatten und ob auch der Peak Oil besprochen wurde blieb unklar, da Cheney auf absolute Geheimhaltung pochte. Das amerikanische Parlament war indes nicht gewillt, diese Geheimhaltung der Exekutive zu tolerieren. Die demokratischen Kongressabgeordneten Henry Waxman und John Dingell forderten Transparenz und beauftragten das Government Accounting Office (GAO), ein unparteiisches Untersuchungsorgan des Kongresses, von Cheney alle Unterlagen der Energiegruppe NEPDG einzutreiben, darunter auch die Namen der Erdölfirmen, die an den geheimen Sitzungen teilgenommen hatten, die Protokolle der Sitzungen sowie Details zum Entscheidungsprozess. Doch Cheney weigerte sich, diese Daten zu veröffentlichen.

Nur der 169 Seiten lange Abschlussbericht der NEPDG wurde am 17. Mai 2001 publiziert. Er warnte in düsteren Worten vor einer Energiekrise. »Amerika sieht sich im Jahr 2001 mit dem schwersten Energieengpass seit dem Ölembargo der 1970er-Jahre konfrontiert«, so der Bericht. »Ein grundsätzliches Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage kennzeichnet die Energiekrise unserer Nation … Dieses Missverhältnis wird, wenn ihm erlaubt wird anzuhalten, unsere Wirtschaft, unseren Lebensstandard und unsere nationale Sicherheit untergraben.« Die US-Energienachfrage steige an, doch die Eigenproduktion breche ein. Die »48 Bundesstaaten erreichten 1970 den Peak bei 9,4 Millionen Fass pro Tag«, so der Bericht. »Die Ausweitung der Förderung in Alaska Ende der 1970er-Jahre half, den Niedergang der US-Produktion hinauszuzögern, doch Alaska erreichte das Fördermaximum 1988 bei 2 Millionen Fass pro Tag und fiel bis im Jahr 2000 auf eine Million Fass pro Tag. Im gleichen Jahr lag die Gesamtförderung der USA nur noch bei 5,8 Millionen Fass pro Tag, 39 Prozent unter dem Fördermaximum.« Daher »werden wir immer abhängiger von ausländischen Lieferanten … die nicht immer das Beste für die amerikanischen Interessen im Schilde führen.«4

Gleich wie Europa erwacht derzeit auch die USA unsanft aus ihrem Erdölrausch, die Probleme werden erkannt und offen angesprochen. Der Bericht hielt in klaren Worten fest, dass das Erdöl ungleich auf der Welt verteilt sei. »Fast zwei Drittel der bewiesenen Erdölreserven befinden sich im Nahen Osten«, so die NEPDG. »Die grossen Erdölreserven und Förderkapazitäten der OPEC erlauben es dem Kartell von Zeit zu Zeit, die Preise zu beeinflussen, was zu Volatilität bei den Erdölpreisen führt.« Die Golfregion bleibe daher »äusserst wichtig für die amerikanischen Interessen.«5 Die Stimmung im Sommer 2001 war angespannt, und mehrere Kommentatoren forderten eine öffentliche und ehrliche Energiedebatte. Doch dazu kam es nicht, denn das Thema Energie wurde plötzlich schlagartig aus den Medien verdrängt.

Am 11. September 2001 ereignete sich in den USA mit fast 3000 Toten der bisher grösste Terroranschlag der Geschichte. Ein entführtes Passagierflugzeug, American Airlines 11, raste um 08.46 Uhr in New York in den Nordturm des World Trade Centers, eine Viertelstunde später flog United Airlines 195 in den Südturm des World Trade Centers. Noch während die Türme brannten, traf die Meldung ein, dass um 09.37 Uhr ein weiteres Passagierflugzeug, American Airlines 77, das Pentagon getroffen habe. Kurz vor 10 Uhr stürzte WTC2, der Südturm, ein, riesige Staubwolken drückten sich durch die Strassenschluchten von New York, Feuerwehrleute und Anwohner rannten um ihr Leben. Kurz nach 10 Uhr stürzte mit United Airlines 93 bei Shanksville ein viertes Passagierflugzeug ab. Um 10.28 Uhr folgte der dramatische Einsturz der Nordturms WTC1. Die meisten Menschen verfolgten den Terroranschlag live am Fernsehgerät. Nicht nur in den USA, auch in Europa sass der Schock tief.

Präsident Bush und Vizepräsident Cheney machten umgehend den Saudi Osama Bin Laden und das Terrornetzwerk Al Qaida für die Anschläge verantwortlich. Die Resultate der National Energy Policy Development Group gerieten völlig in den Hintergrund. Die Schlagzeilen wurden von Krieg und Terror dominiert. Trotz der angespannten Lage versuchte GAO-Direktor David Walker, die geheimen Erdölunterlagen von Vizepräsident Cheney zu bekommen und klagte im Februar 2002 an einem amerikanischen Gericht gegen die NEPDG. Doch Richter John Bates, der später von Bush befördert wurde, wies die Klage ab, worauf das GAO seine Untersuchungen einstellte.6

In muslimischen Ländern kursierte bald das Gerücht, die USA hätten die Terroranschläge manipuliert, um einen Grund für Ressourcenkriege zu haben und das Erdöl im Nahen Osten zu erbeuten. Präsident George Bush wies solche Behauptungen stets als haltlos zurück und insistierte, Bin Laden sei für die Anschläge verantwortlich. »Lasst uns niemals unglaubliche Verschwörungstheorien über die Anschläge vom 11. September tolerieren«, mahnte Bush in einer Rede vor der UNO-Generalversammlung am 10. November 2001. »Diese üblen Lügen versuchen die Schuld von den Terroristen zu nehmen, weg von den Schuldigen.«7

Die Politiker und Medien in den USA und Europa hinterfragten die Aussagen der Bush Administration zu den Terroranschlägen nicht. Obschon der US-Präsident in Europa nicht beliebt war, übernahmen die Europäer auch seine Sprachregelung über Verschwörungstheorien. Wer die offizielle Erzählung zu den Terroranschlägen hinterfragte, wurde sowohl in den USA wie auch in Europa umgehend als Verschwörungstheoretiker diffamiert, genau so wie es der Präsident vor der UNO gefordert hatte. Dies hat mich verwundert. Denn die Menschheitsgeschichte ist voll von Lügen und geheimen Absprachen zwischen zwei oder mehr Personen, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen, also regelrechten Verschwörungen. Der Mord an Julius Cäsar 44 v. Chr. in Rom war eine regelrechte Verschwörung. Auch der Angriff der Franzosen, Briten und Israeli auf Ägypten während der Suezkrise 1956 und die Brutkastenlüge 1990, welche die Operation Desert Storm und den Krieg gegen den Irak legitimierte, waren Verschwörungen. Die Operation Gladio und die NATO-Geheimarmeen sind bewiesene historische Verschwörungen, wie ich in einem Forschungsprojekt nachweisen konnte.8 Auch die »Endlösung«, also die von den Nationalsozialisten 1941 geplante Ermordung aller Juden in Europa, war eine Verschwörung, also eine geheime Absprache mit zentraler Planung. Es ist völlig unsinnig zu behaupten, dass es in der Geschichte keine Verschwörungen gebe.

Auch die These von Präsident Bush, dass Osama Bin Laden und 19 Muslime für die Terroranschläge vom 11. September verantwortlich sind, ist eine Verschwörung, also eine geheime Absprache von zwei oder mehr Menschen. Was der Präsident somit wirklich vor der UNO forderte war dies: Ihr müsst meine Verschwörungstheorie glauben, andere Verschwörungstheorien, welche eine amerikanische Beteiligung an diesem Verbrechen postulieren, sind Unsinn. Damit erliess Bush persönlich ein Forschungsverbot zum 11. September. Doch dies kann nicht akzeptiert werden. Der historischen Forschung muss es immer erlaubt sein, Fragen zu stellen und alle möglichen Theorien zu untersuchen.

Meine Studentinnen und Studenten interessierten sich sehr für die verschiedenen Geschichten zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Und so führte ich im Sommersemester 2005 am Historischen Seminar der Universität Zürich und im Sommersemester 2007 am Historischen Seminar der Universität Basel jeweils ein Seminar zum Thema durch. Die Studenten mussten den im Juli 2004 publizierten Bericht von Thomas Kean studieren. Dieser 600 Seiten lange offizielle Bericht zu den Anschlägen bestätigte die Version der Bush-Regierung und erklärte, die Terroranschläge seien im Auftrag von Osama Bin Laden durch 19 muslimische Terroristen durchgeführt worden. Die USA seien durch die Anschläge völlig überrascht worden. Dies ist die offizielle Verschwörung, die Surprise-Theorie (»suprise«  heisst Überraschung).

Meine Studenten mussten aber auch andere amerikanische Bücher studieren, darunter solche des emeritierten Theologieprofessors David Ray Griffin und des Journalisten Michael Ruppert. Diese Texte behaupten, kriminelle Elemente in der Bush-Administration hätten die Anschläge bewusst zugelassen (LIHOP-Theorie: Let it Happen on Purpose) oder gar selber inszeniert (MIHOP-Theorie: Make it Happen on Purpose), um durch Kriege im Ausland Erdöl und Erdgas zu erbeuten und in den USA die Bürgerrechte einzuschränken und die Militärausgaben auszuweiten. Im Unterricht wurden alle drei Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen intensiv und kontrovers diskutiert. Wir kamen zu keinem Schluss, welche der drei Verschwörungstheorien stimmt, und bis heute ist für mich unklar, was am 11. September wirklich passiert ist. Aber es bildete sich ein Bewusstsein, dass viele Fragen offen sind und sich eine neue, unabhängige Untersuchung der Terroranschläge aufdrängt.

Unter den ungeklärten Fragen zu den Terroranschlägen sticht der Einsturz von World Trade Center 7 hervor. Das 170 Meter hohe Gebäude wäre mit Abstand das höchste Gebäude der Schweiz. In Manhattan fiel es unter den vielen Wolkenkratzern weniger auf. Es stürzte am 11. September um 17:21 Uhr zusammen. Aber im Unterschied zu WTC1 und WTC2 war es zuvor nicht durch ein Flugzeug getroffen worden. »Bis heute ist der Einsturz von WTC7 ein ungelöstes Rätsel der Anschläge«, notierte die New York Times, »weil vor diesem Tag in den USA noch nie ein Hochhaus aus Beton und Stahl wegen Feuer kollabierte.«9 Erstaunlicherweise fehlt der Einsturz von WTC7 im offiziellen Untersuchungsbericht von Thomas Kean. »Die Kommission hat ein unangenehmes Problem – die Erklärung, wie WTC7 praktisch im freien Fall einstürzen konnte – so umgangen, indem sie den Einsturz des Gebäudes einfach nicht erwähnte«, protestierte der Amerikaner David Ray Griffin, der sich ausführlich mit den Anschlägen beschäftigte und mehrere Bücher zum Thema veröffentlichte.10

Noch heute wird unter Experten über den Einsturz von WTC7 gestritten. »Nach meiner Meinung ist das Gebäude WTC7 mit grosser Wahrscheinlichkeit fachgerecht gesprengt worden«, erklärte mir Hugo Bachmann, emeritierter ETH-Professor für Baustatik und Konstruktion. Auch Jörg Schneider, ebenfalls emeritierter ETH-Professor für Baustatik und Konstruktion, deutet die vorhandenen Daten so, dass »das Gebäude WTC7 mit grosser Wahrscheinlichkeit gesprengt wurde.«11 Ich arbeitete damals an der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik der ETH Zürich und versuchte intern mit Kollegen über WTC7 zu debattieren, erkannte aber bald, dass dies nicht einfach war. Es sei unsinnig oder für die Schweiz und Europa gar gefährlich, die offizielle amerikanische Version zu den Anschlägen zu hinterfragen, so der Tenor.

Die Bush-Administration äusserte sich nicht zum Einsturz des dritten Gebäudes. Für einige Verwirrung sorgte aber BBC-Reporterin Jane Stanley, die am Tag der Anschläge live aus New York über den Einsturz von WTC7 berichtete, während das Gebäude noch stand und hinter ihr klar zu sehen war. Stanley und BBC-Nachrichtenchef Richard Porter entschuldigten sich 2008 für das Versehen, dass BBC den Einsturz des Gebäudes zu früh vermeldet hatte, was in der Tat sehr ungewöhnlich ist und einer Erklärung bedarf. BBC argumentierte, man habe diese Nachricht von Reuters erhalten, einer der grössten Nachrichtenagenturen der Welt. Aber warum wusste Reuters, dass WTC7 einstürzen würde?12

Während BBC den Einsturz zu früh meldete, liess sich die zuständige amerikanische Regierungsbehörde National Institute of Standards and Technology (NIST) viel Zeit, um den Einsturz von WTC7 zu erklären. Erst kurz vor dem Ende der Amtszeit von Präsident Bush präsentierte NIST-Mitarbeiter Shyam Sunder am 21. August 2008 einen Bericht, gemäss dem das Gebäude WTC7 wegen eines Feuers einstürzte, welches den Stahlträger 79 des Gebäudes schwächte. In der Tat gab es im Gebäude ein Feuer. Doch dieses war gemäss Richard Gage, einem kalifornischen Architekten der Gruppe »Architects and Engineers for 9/11 Truth« nicht gross genug: »Es gab viel heissere und grössere Feuer die länger brannten in Wolkenkrazern, und trotzdem sind diese Gebäude nicht eingestürzt«, kritisierte Gage.13 Das NIST könne nicht erklären, weshalb WTC7 in perfekter Symmetrie und die ersten Sekunden in völlig freiem Fall kollabierte. Feuer könne niemals alle 82 Stahlträger gleichzeitig schwächen. Nur Sprengung könne dies bewirken und den freien Fall auslösen, die Bush-Regierung und auch das NIST habe die Welt angelogen.14

Die Zweifel an der offiziellen Version der Terroranschläge sind heute weitverbreitet, auch wenn oft nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen wird. Im japanischen Parlament zeigte der Politiker Yukihisa Fujita am 11. Januar 2008 Bilder des einstürzenden WTC7 und fragte die Abgeordneten, ob man von der Bush-Administration wirklich die Wahrheit über die Terroranschläge erfahren habe. Auch der Amerikaner Francis Boyle, Professor für internationales Recht, vertritt die These, die Bush-Administration habe die Welt angelogen. »Die USA umzingeln Zentralasien und den Persischen Golf unter dem Vorwand des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus, dem Vorwand der Eliminierung von Massenvernichtungswaffen, oder der Theorie, man wolle die Demokratie verbreiten, was alles absoluter Unsinn ist«, so Boyle. In Wahrheit gehe es um Energie: «Die USA wollten Zugang zum Erdöl und Erdgas von Zentralasien». Die Kriege seien von langer Hand geplant gewesen. »Sie brauchten nur einen Vorwand, und der 11. September war dieser Vorwand.«15

Weil Europa selber stark abhängig von Erdölimporten ist und das konventionelle Erdöl weltweit den Peak Oil erreicht hat, bin ich der Ansicht, dass auch Europa ein Interesse daran haben muss, Ressourcenkriege und Terroranschläge ganz genau zu untersuchen. Ich habe daher die Fachliteratur dahingehend abgesucht, ob jemand den Peak Oil mit den 9/11-Terroranschlägen in Verbindung bringt. Ich wurde bei Michael Ruppert, einem ehemaligen Polizisten von Los Angeles und Buchautor, fündig. Ruppert vertritt die These, dass das Peak-Oil-Problem von der Bush-Administration erkannt wurde und den strategischen Hintergrund für die Terroranschläge vom 11. September bildet. »Es ist meine Überzeugung«, so Ruppert, »dass irgendwann zwischen Ende 1998 und Anfang 2000« die amerikanischen Eliten inklusive Dick Cheney »sich des Peak-Oil-Problems bewusst wurden«.16 Nach dem Einzug ins Weisse Haus habe Cheney im Rahmen der National Energy Policy Development Group die verfügbaren Erdöl und Erdgasdaten studiert. Damals habe man entschieden, die Terroranschläge zu manipulieren, glaubt Ruppert. »Ich denke, damals wurde das Motiv für 9/11 ausgesprochen, verstanden und akzeptiert.« Im Mai 2001 habe Präsident Bush Cheney die Verantwortung für Terrorismusfragen übergeben. Muslimische Terroristen hätten möglicherweise eine untergeordnete Rolle bei den Anschlägen gespielt, so Ruppert. »Aber ich habe keinerlei Zweifel, dass am Tag der Anschläge am 11. September Richard Cheney die totale Kontrolle hatte«, so Ruppert. »Ich glaube, sie hielten es für richtig, so vorzugehen, es waren ja nur einige Tausend Menschenleben.«17

Ob Ruppert mit seiner Analyse recht hat und Vizepräsident Dick Cheney tatsächlich direkt in die Terroranschläge vom 11. September 2001 involviert war, muss Gegenstand weiterer historischer Forschung sein. Was auffällt ist, dass in den USA viel offener über Geostrategie diskutiert wird als in Europa. Als Mitglied des Project for the New American Century (PNAC), einem neokonservativen Think Tank in Washington, hatte Dick Cheney schon im Januar 1998 zusammen mit Donald Rumsfeld und Paul Wolfowitz in einem Brief an Präsident Clinton erfolglos einen gewaltsamen Regimewechsel im Irak und eine offensivere Politik der USA in den Erdölländern des Nahen Ostens gefordert. Das PNAC forderte explizit, dass die USA die Welt dominieren sollten, auch durch die Kontrolle von Erdöl.18 Doch unter Clinton liess sich diese Politik nicht umsetzen.19

Erst unter der Administration Bush erhielt Cheney entscheidenden Einfluss. Paul Wolfowitz wurde stellvertretender Verteidigungsminister. Als Wolfowitz in Singapur während einer Konferenz über Sicherheitspolitik 2003 gefragt wurde, warum eine Atommacht wie Nordkorea anders behandelt werde als der Irak, wo keine Massenvernichtungswaffen zu finden seien, und welche Rolle der Kampf um Energiereserven spiele, antwortete er ganz offen: »Der wichtigste Unterschied zwischen Nordkorea und Irak liegt darin, dass wir beim Irak aus wirtschaftlicher Sicht einfach keine Wahl hatten. Das Land schwimmt auf einem See aus Erdöl.«20 Die Kontrolle der Erdölreserven am Golf sei zentral zur Absicherung der globalen Führungsposition der USA.

Gemäß dem pensionierten amerikanischen General Wesley Clark, der als Supreme Allied Commander Europe (SACEUR) die NATO-Streitkräfte im Kosovokrieg 1999 kommandierte, verfolgten Wolfowitz und andere PNAC-Mitglieder diese Pläne schon seit langem. Im Pentagon habe ihm Wolfowitz 1991 erklärt: »Was wir aus dem Golfkrieg gelernt haben ist, dass wir unser Militär in dieser Region – dem Nahen Osten – einsetzen können, und die Sowjets stoppen uns nicht. Wir haben jetzt etwa fünf oder zehn Jahre, um diese alten Sowjetregime – Syrien, Iran und Irak – wegzuräumen, bevor die nächste grosse Supermacht kommt und uns herausfordert.« Clark erklärte später, die Aussagen von Wolfowitz, die einen imperialen Anspruch der USA und die Kontrolle der Erdölreserven unterstrichen, hätten ihn überrascht und schockiert.21

(1)   Öl heizt den Lebenskosten ein. In: Neue Luzerner Zeitung, 6. September 2000.

(2)   Pflichtlager für den Markt öffnen. In: Aargauer Zeitung, 14. September 2000.

(3)   Remarks by the President, Secretary of Energy Abraham and Deputy Secretary of Defense Wolfowitz After Energy Advisors Meeting. The White House, 3. Mai 2001.

(4)   National Energy Policy. Report of the National Energy Policy Development Group. Publiziert im Mai 2001, S. viii und 13. Abrufbar unter: www.wtrg.com/EnergyReport/National-Energy-Policy.pdf

(5)   National Energy Policy. Report of the National Energy Policy Development Group. Publiziert im Mai 2001, S. 12 und 130

(6)   Standlea, David: Oil, globalization, and the war for the Arctic refuge (Albany: State University of New York Press, 2006), S. 159.

(7)   President Bush speaks to the United Nations. White House Press Reslease, 10. November 2001.

(8)   Vergleiche: Daniele Ganser: NATO Geheimarmeen in Europa. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung (Zürich: Orell Füssli, 2005).

(9)   Burning Diesel Is Cited in Fall Of 3rd Tower. In: New York Times, 2. März 2002.

(10) Griffin, David Ray: The 9/11 Commission Report. Omissions and Distortions. Northhampton. (Northampton: Olive Branch Press, 2005), S. 28.

(11) Jörg Schneider und Hugo Bachmann zitiert in: Daniele Ganser: Der erbitterte Streit um den 11. September. In: Tages-Anzeiger, 9. September 2006.

(12) The Conspiracy Files: 9/11 – The Third Tower. BBC News, 6 Juli 2008.

(13) Report Says Fire, Not Explosion, Felled 7 W.T.C. In: New York Times, 22. August 2008.

(14) Architects and Engineers for 9/11 Truth: “9/11 Explosive Evidence, Experts Speak Out“ 2011. www.ae911truth.org <http://www.ae911truth.org>

(15) Rede von Francis A. Boyle: Global Peace Forum. Kuala Lumpur, Malaysia, 22. Juni 2006.

(16) Michael C., Ruppert: Crossing the Rubicon: The Decline of the American Empire at the End of the Age of Oil. (Gabriola Island: New Society Publishers, 2004), S. 572.

(17) Ruppert: Rubicon, S. 574 und 591.

(18) Vergleiche: Rebuilding America’s Defenses. Strategy, Forces and Resources For a New Century. A Report of The Project for the New American Century, Washington, September 2000.

(19) Vergleiche: Johnson, Chalmers: The Sorrows of Empire (New York: Owl Books, 2005), S. 228.

(20) Paul Wolfowitz zitiert in: Iraq War Was About Oil. In: Guardian, 4. Juni 2003.

(21) Rede von Wesley Clark vom 3. Oktober 2007 beim Commonwealth Club in San Francisco. Zitiert in: Wes Clark and the neocon dream. In: Salon News, 26. November 2011.

Dr. Daniele Ganser is a Swiss historian, peace and energy researcher and the director of the Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER). His research interests include international history from 1945 to today, secret warfare and geostrategy, intelligence services and special forces, peak oil and resource wars, globalization and human rights.

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